Juni 4, 2020

Trancephänomene

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Trancephänomene sind die körperlichen und psychologischen Erkennungsmerkmale einer Trance. Ich möchte hier die Trancephänomene beschreiben, die sich am häufigsten in der Literatur und Praxis wiederfinden.

Trancephänomene des Parasympathikus

Einige Phänomene haben mit der Aktivierung des parasympathischen Systems zu tun. Schauen wir auf die Atmung. In einer Trance erster Ordnung, wird sich die Atmung verlangsamen und flacher werden. Der Herzschlag wird sich meist verlangsamen und der Blutdruck wird meist sinken. Die Muskelspannung wird meist geringer werden, so dass viele Hypnoseanwender den Klienten im Vorwege bitten werden, symmetrisch zu sitzen oder sich hinzulegen, da der Muskeltonus die Gelenke nicht mehr so gut stützt und es bei asymmetrischen Haltungen, wie z.B. wenn man sich in einem Sessel nach links oder rechts auf die Lehne lehnt, zu Schmerzen kommen kann. Die Gesichtszüge sehen in einer Trance auch glatter aus, der Hypnotisierte wirkt jünger, oder verändert. In einer Trance werden sich die Bewegungen minimieren und langsamer werden.

Katalepsie als Trancephänomen

In einer Trance werden auch ideomotorische Bewegungen, also unbewusste Bewegungen möglich. Die schließt die berühmte Handlevitation ein. Auch die Körperstarre (Katalepsie) kann hier spontan auftreten, bzw. es wird diese als Phänomen bewusst hervorgerufen. Ebenso kann eine veränderte Körperwahrnehmung in verschiedenen Formen auftreten, wie z.B. die Schmerzunempfindlichkeit oder eine Gefühllosigkeit. Hier möchte ich auch die Dissoziationsphänomene nennen, also ein Art von Abkopplung von Sinneswahrnehmung, Emotionen oder anderen psychischen und körperlichen Funktionen.

Psychologische Phänomene

Andere, eher psychologische Phänomene wären das Gefühl eines anderen Zeiterlebens, bzw. einer Zeitverzerrung. D.h. der Verlauf der Zeit wird als schneller oder langsamer erlebt. In einer Trance, allerdings auch als Mittel in einer Trancearbeit, treten Altersregression, also das Erleben früherer Lebensalter, und Altersprogression auf. In einer Progression sind dann zukünftige Lebensalter, bzw. die Zukunft in einer Trance erlebar. Durch den Trancezustand ist man geistig leistungsfähiger und flexibler. Viele mentale Beschränkungen, z.B. Dinge die nicht denkbar sind, werden denk- und erlebbar. Die Lernfähigkeit steigt und man kann Details aus früheren Erinnerungen wahrnehmen, die sonst nicht im Wachbewusst verfügbar sind (Hyperamnesie). Ebenso ist es möglich, Ereignisse in Trance zu vergessen, so dass sie auch im Wachzustand nicht mehr zu erinnern sind. In der Showhypnose werden damit eindrucksvolle Effekte erzielt. So werden z.B. Zahlen vergessen.

Trancezustand kann bereits therapeutischen Nutzen haben

Ein therapeutischer Nutzen steckt in dieser Fähigkeit natürlich auch. Die Trance ermöglicht ein vernetzteres Denken zwischen linker und rechter Hirnhälfte. Allgemein könnte man sagen, dass der Hypnotisierte viel kreativer und effektiver denken kann. Beeindruckend ist auch die Fähigkeit von Klienten zur negativen Halluzination, d.h. dem nicht mehr wahrnehmen von Gegenständen oder Menschen, die tatsächlich vor Ort sind. Dieses Phänomen hat z.B. auch Milton Erickson ausführlich wissenschaftlich untersucht.

Stephan Albrecht

Stephan Albrecht absolvierte ein Studium der Soziologie und Psychologie an der Universität Hamburg (Magisterabschluss). Er ist u.a. Heilpraktiker für Psychotherapie. Am Milton Erickson Institut in Hamburg hat er seine erste psychotherapeutische Fortbildung abgeschlossen. Ab dem Jahr 2009 unterrichtet Stephan Hypnosetherapie für Ärzte, Heilpraktiker und Coaches an verschiedenen Ausbildungsinstituten. Aktuell unterrichtet er als Fachdozent an der Grünen Schule in Hamburg. Er ist als Coach unter www.der-richtige-coach.de und als Supervisor unter www.supervision-nord.de zu erreichen. Aktuell bietet er seine Audio-Hypnose exklusiv unter www.achtung-hypnose.de an.

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