Juni 18, 2020

Hypnose und Kontrollverlust – „Verliere ich in Hypnose die Kontrolle über mich?“ – Teil 3

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Ideodynamik

Hier werden ideodynamische Effekte provoziert. Es entstehen Gedanken, Bilder und andere Sinneseindrücke aus dem Nichts heraus, ohne dass wir sie bewusst hervorgerufen hätten. Das kennen wir im Prinzip auch aus dem Alltag. In einer besonderen Situation, wie es z. B. eine Hypnose ist, bekommt dieses Alltagsphänomen, gerade in seiner in diesem Zustand auftretenden Häufigkeit, eine andere Gewichtung und damit Bedeutung. Damit verbindet sich schon eher das Gefühl, dass wir keine Kontrolle mehr hätten. Dinge entstehen, die wir nicht bewusst angestrebt haben. In der Regel werden diese hypnotischen Reaktionen dem Unbewussten zugeschrieben und damit gleichzeitig als Beleg für dessen Existenz gedeutet. Auch hier hängt das Empfinden von der Arbeitsweise ab. Letztlich wissen wir nicht, ob es ein Unbewusstes gibt. Es ist zunächst eine reine Konstruktion aus der psychoanalytischen Tradition heraus. Ob eine hypnotische Reaktion (z.B. Ideodynamik) ein Ausdruck des Unbewussten ist, lässt sich nicht sagen.

Phänomene richtig deuten

Wenn ich aber auch hier diese natürliche Reaktion als Beleg dafür nehme, dass das Unbewusste einen Ausdruck findet und das Bewusstsein in diesem Zustand nicht mehr so viel Kontrolle hat, dann kann auch wieder der Eindruck entstehen, dass man eben weniger oder keine Kontrolle mehr hätte. Es scheint so, als gäbe es mehr als eine Deutungsmöglichkeit und mehr als eine Arbeitsweise als Hypnosetherapeut, Hypnose-Coach oder Hypnotiseur. Es ist durchaus möglich, das empfundene Dissoziationsgefühl als das zu benennen, was es ist: nämlich ein Phänomen, das zur Entspannung des Körpers gehört.

Klienten Kontrolle geben

Wenn ich das zu Behandlungsbeginn erkläre, dass der Klient bzw. Patient immer unterbrechen kann, wenn er es möchte, dann wird er es auch können. Ohne dass der oben genannte Eindruck des Kontrollverlustes entsteht. Stattdessen wird möglicherweise eher eine sehr gute und tiefe Entspannung empfunden, was ein äußerst positiver Eindruck für den Klienten bzw. Patienten ist. Es ist möglich, auf den Mechanismus der Ideodynamik und das Auftreten dieser bzw. der hypnotischen Reaktionen hinzuweisen. Diese Reaktionen haben auf dieser Ebene eher etwas mit unserer Denk- und Sprachstruktur zu tun, die uns überwiegend über unsere Sozialisation angeeignet wurde, demnach sind diese Reaktionen eigentlich normal. Besteht also ein Kontrollverlust für den Klienten oder Patienten bei einer Hypnose oder Trancearbeit?

Kein Kontrollverlust

Nein, man verliert nicht die Kontrolle. Der Eindruck kann allerdings durch missverständliches Vorwissen und durch die Arbeitsweise des Hypnotiseurs oder eines Hypnotherapeuten entstehen.

Damit endet dieser kleine Exkurs zum Thema „Kontrollverlust und Hypnose“.

Stephan Albrecht

Stephan Albrecht absolvierte ein Studium der Soziologie und Psychologie an der Universität Hamburg (Magisterabschluss). Er ist u.a. Heilpraktiker für Psychotherapie. Am Milton Erickson Institut in Hamburg hat er seine erste psychotherapeutische Fortbildung abgeschlossen. Ab dem Jahr 2009 unterrichtet Stephan Hypnosetherapie für Ärzte, Heilpraktiker und Coaches an verschiedenen Ausbildungsinstituten. Aktuell unterrichtet er als Fachdozent an der Grünen Schule in Hamburg. Er ist als Coach unter www.der-richtige-coach.de und als Supervisor unter www.supervision-nord.de zu erreichen. Aktuell bietet er seine Audio-Hypnose exklusiv unter www.achtung-hypnose.de an.

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