Juli 11, 2020

Die Geschichte der Hypnose (in Meilensteinen) Teil 3 – Milton H. Erickson

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Milton H. Erickson (* 1901 in Aurum, Nevada – † 1980 in Phoenix, Arizona)

Erickson bekam durch seine eigene Krankheitsgeschichte früh einen ganz praktischen Eindruck von den unbewussten Prozessen die unserem Geist und Körper innewohnen. Aus seiner Kindheit und Jugend sind Begebenheiten bekannt, aus denen man schließen kann, dass er schon früh ein scharfer Beobachter war. Als Kind litt er unter Dyslexie bzw. Legasthenie. Er hatte z.B. große Schwierigkeiten Buchstaben zu unterscheiden, z.B. die Buchstaben M und E, und damit auch Probleme beim Lesen und Schreiben. Er war farbenblind und konnte nur die Farbe Lila von anderen Farben unterscheiden. Ebenso wunderte er sich darüber, was andere an diesem Geschrei so wunderbar fanden, das Gesang genannt wurde – er war auch atonal.

Erickson wuchs als Sohn eines Landwirtes auf mit vielen Geschwistern. Mit 19 Jahren erkrankte er so stark an Kinderlähmung, dass sein Überleben fraglich war. Später war er fast komplett gelähmt, außer Mund und Augen. Trotz seiner Behinderung nutzte er seine Neugier auf das Leben, um seine Umgebung ständig zu beobachten. Er lernte Dinge wahrzunehmen, die andere nicht wahrnehmen konnten. „Meine Schwestern konnten „Ja“ sagen und „Nein“ meinen…“ ist ein Zitat und eine Entdeckung aus dieser Zeit. Erickson berichtet ebenfalls, dass er in dieser Zeit lernte, nur anhand der Schritte der Personen im Haushalt, die er in seinem Zimmer hörte, nicht nur zu erkennen wer es war, sondern auch zu wissen in welchen Gefühlszustand sich die Person befand. Durch die Entdeckung von unbewussten Bewegungen (Ideomotorik) trainierte Erickson seinen Körper soweit, dass er als junger Erwachsener mit Krücken gehen konnte und alleine eine mehrwöchige Kanufahrt unternahm. Er studierte Medizin und wurde Psychiater. Bereits als Student der Medizin sprach er sich gegen das Konzept der standardisierten Hypnose aus und forschte und experimentierte über sein Verständnis des Unbewussten und dem Einsatz von Hypnose im psychiatrischen Bereich. Erickson benötigte in seiner Blütezeit nur noch einen Gehstock zum Laufen. In Folge eines Fahrradunfalls erlitt Erickson 1953 ein Post-Polio-Syndrom mit schweren allergischen Reaktionen. Die Familie zog in ein günstiges Wüstenklima (Phoenix, Arizona) und Erickson fing an in seinem Haus privat zu praktizieren. Zeitlebens galt Erickson als Geheimtipp in Kollegenkreisen.

Erickson war Doktor der Medizin und hatte einen Masterabschluss in Psychologie. Erickson hatte einige Fachpositionen im medizinisch / psychiatrischen Feld während seiner Zeit inne: er war Chef-Psychiater der Forschungseinrichtung am Worchester State Hospital, Direktor der Forschungs- und psychiatrischen Trainingseinrichtung im Eloise Hospital in Michigan, Professor für Psychiatrie an der Wayne State University in Detroit und Professor für Klinische Psychology am der Michigan State University in East Lansing, Michigan. Erst zum Ende seines Lebens – als er bereits zurückgezogen in Phoenix lebte – wurde die Fachwelt weltweit auf Ericksons Werk aufmerksam, durch die Unterstützung seiner Schüler.

Die Arbeit von Erickson umfasst letztlich eine gesamte Psychotherapie und nicht nur die Anwendung von Hypnose. Erickson hat viele Therapiemethoden wie Verhaltenstherapie, Systemische Therapie, Familientherapie oder den Einsatz von Humor in der Psychotherapie vorweg genommen. Es ist dokumentiert, dass Erickson nur in ca. 20% seiner Behandlungen Hypnose angewandt hat. Bekannt wurde er trotzdem mit der Hypnosetherapie, da er zeitlebens für die Hypnose in den U.S.A. stritt und auf vielen medizinischen Kongressen und Fachtagungen auftrat und bereits 1957 die „The American Society of Clinical Hypnosis“ gründete. Er viele Studien und Experimente zu Hypnose und dem Trancephänomen angefertigt und veröffentlicht, wodurch er in Fachkreisen schon früh zu DEM Experten für Hypnose und deren therapeutischen Anwendung wurde. Sein Vermächtnis ist immer noch nicht vollständig entschlüsselt und schlummert in sehr vielen Transskripten in den Räumlichkeiten der Erickson Foundation in Phoenix, Arizona.

Erickson hat durch die hohe Faszination und Wirksamkeit seiner Anwendung von Hypnose in der Therapie eine große Anhängerschaft weltweit erlangt. Offiziell waren im Jahr 2018 ca. 3500 Personen in Deutschland Mitglied der Milton Erickson Gesellschaft. Aktuell leitet sein langjähriger Schüler Jeffrey Zeig die Erickson Foundation in den U.S.A.

Stephan Albrecht

Stephan Albrecht absolvierte ein Studium der Soziologie und Psychologie an der Universität Hamburg (Magisterabschluss). Er ist u.a. Heilpraktiker für Psychotherapie. Am Milton Erickson Institut in Hamburg hat er seine erste psychotherapeutische Fortbildung abgeschlossen. Ab dem Jahr 2009 unterrichtet Stephan Hypnosetherapie für Ärzte, Heilpraktiker und Coaches an verschiedenen Ausbildungsinstituten. Aktuell unterrichtet er als Fachdozent an der Grünen Schule in Hamburg. Er ist als Coach unter www.der-richtige-coach.de und als Supervisor unter www.supervision-nord.de zu erreichen. Aktuell bietet er seine Audio-Hypnose exklusiv unter www.achtung-hypnose.de an.

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